Pressemitteilung
Nauen, 14. Januar 2026
Havelland Kliniken GmbH:
Ermittlungen wegen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs – Kinderschutz hat oberste Priorität
- Empathie und Verantwortung: Gedanken bei dem betroffenen Kind und seiner Familie
- Rechtsstaatlichkeit: Enge Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft
- Organisatorische Konsequenzen: Interne Aufarbeitung gestartet, Mitarbeitender gekündigt
- Kinderschutz im Fokus: Schutzkonzept wird überprüft und weiterentwickelt
- Unterstützung und Prävention: Sonderbeauftragte eingesetzt, externe Expertise hinzugezogen, Elterntelefon eingerichtet
Nauen, 14. Januar 2026. Im Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Potsdam haben die Havelland Kliniken GmbH (HKG) heute über den aktuellen Stand informiert. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs eines minderjährigen Kindes. Der Vorfall soll sich am 2. November 2025 im Rahmen einer medizinischen Untersuchung ereignet haben. Der Verdacht richtet sich gegen einen Arzt, der bereits gekündigt wurde. Die Mutter des Kindes hat Anzeige erstattet; der Beschuldigte befindet sich in Untersuchungshaft. Die Klinikleitung ist tief betroffen. Ihre Gedanken gelten dem betroffenen Kind und seiner Familie.
Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen, ob es weitere Verdachtsfälle gibt. Ob diese in einem Zusammenhang mit den Havelland Kliniken stehen – oder überhaupt einen Bezug zur HKG haben – ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Die Klinikleitung nimmt die Ermittlungen sehr ernst und kooperiert vollumfänglich mit den Behörden.
Hauptgeschäftsführer: „Schutz von Kindern nicht verhandelbar“
Thilo Spychalski, Hauptgeschäftsführer der Havelland Kliniken GmbH, betont die Verantwortung der Klinikleitung. „Der Schutz von Kindern ist für uns nicht verhandelbar und hat oberste Priorität“, erklärt Spychalski. Gleichzeitig unterliege der Fall einem laufenden rechtsstaatlichen Verfahren. „Die strafrechtliche Aufklärung obliegt ausschließlich Polizei und Staatsanwaltschaft. Wir kooperieren vollumfänglich mit den zuständigen Ermittlungsbehörden und respektieren deren Zuständigkeit uneingeschränkt“, sagt Spychalski weiter. Parallel dazu hat die Klinikleitung eine interne Aufarbeitung angestoßen und zusätzliche Maßnahmen eingeleitet. Ziel sei es, Abläufe, Verantwortlichkeiten und die Wirksamkeit bestehender Schutzmechanismen kritisch zu überprüfen. „Dabei geht es nicht um formale Regelwerke, sondern darum, dass Kinderschutz im Klinikalltag konsequent, verbindlich und nachvollziehbar gelebt wird“, so Spychalski.
Ärztlicher Direktor: „Kinderschutz hat höchste Priorität – Vertrauen sichern“
„Die Schilderungen im Zusammenhang mit diesem Fall erschüttern uns zutiefst. Unsere Gedanken sind bei dem betroffenen Kind und seiner Familie“, sagt Mike Lehsnau, Ärztlicher Direktor der Havelland Kliniken. Gerade in der medizinischen Versorgung von Kindern sei Vertrauen eine zentrale Grundlage. „Als Klinik tragen wir eine besondere Verantwortung – für unsere jungen Patientinnen und Patienten ebenso wie für deren Eltern und Angehörige. Alles, was wir jetzt tun, richtet sich daran aus, dieses Vertrauen zu schützen und zu erhalten.“ Der betroffene Mitarbeiter wurde inzwischen gekündigt.
Kinderschutzkonzept: Vier-Augen-Prinzip, Schulungen und klare Standards
Torsten Kautzky, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin und Kinderschutzbeauftragter der HKG, verweist auf die bestehenden Regelungen zum Kinderschutz: „In den Havelland Kliniken ist ein Kinderschutzkonzept etabliert, das klare Standards für den Klinikalltag setzt. Dazu gehören das Vier-Augen-Prinzip bei Untersuchungen, verbindliche Dokumentationsstandards bei Abweichungen sowie regelmäßige Schulungen für das gesamte Team“, erklärt Kautzky. Angesichts der aktuellen Entwicklungen wird der Vorfall nun umfassend aufgearbeitet; das bestehende Kinderschutzkonzept wird dabei kritisch überprüft und weiterentwickelt.
Interne Aufarbeitung
Die HKG hat unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls eine interne Aufarbeitung angestoßen. Diese prüft den konkreten Sachverhalt ebenso wie die bestehenden Schutzstrukturen und das Kinderschutzkonzept. Maßgeblich ist dabei, was jetzt zählt: der Schutz von Kindern und die Verantwortung gegenüber Familien. Ziel ist es, den Kinderschutz weiter zu stärken und bestehende Standards bei Bedarf zu schärfen. „Der Schutz von Kindern ist kein abstraktes Ziel, sondern Kern unseres Selbstverständnisses – und daran lassen wir uns messen“, sagt Dr. med. Mike Lehsnau. „Wir werden Zuständigkeiten überprüfen, Abläufe weiter präzisieren und die Zusammenarbeit mit anderen Kliniken und Fachstellen in Brandenburg intensivieren. Unser Anspruch ist es, aus dieser Situation verantwortungsvoll zu lernen.“
HKG setzt Sonderbeauftragte ein
Die HKG hat Carolin Himburg, Leiterin der Stabsstelle Qualitätsmanagement, ab dem 17. Dezember 2025 als fallbezogene Sonderbeauftragte für die interne Aufarbeitung benannt. Ihre Aufgabe ist es, den organisatorischen Umgang der Havelland Kliniken mit dem bekannt gewordenen Sachverhalt strukturiert zu begleiten, interne Abläufe zu prüfen und daraus Empfehlungen für die Zukunft abzuleiten. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden vorwegzunehmen oder zu bewerten.
Im Mittelpunkt stehen die bestehenden Schutzstrukturen, Schnittstellen und Verantwortlichkeiten sowie die Frage, wie sich Standards im Klinikalltag noch eindeutiger, verbindlicher und überprüfbarer verankern lassen. Ziel ist es, Schutzräume für Kinder und Jugendliche im Klinikalltag konsequent zu sichern. „Es geht ausdrücklich nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Aufarbeitung, Transparenz, Lernfähigkeit und die konsequente Weiterentwicklung unserer Schutzmechanismen“, betont Himburg.
Für Eltern und Angehörige: Elterntelefon
Zur Unterstützung von Eltern und Angehörigen sowie zur Beantwortung von Fragen hat die HKG ein Elterntelefon eingerichtet. Dieses wird von „Kind im Zentrum“ (KiZ) des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks (EJF), als externer und unabhängiger Ansprechpartner betrieben. Kind im Zentrum ist eine spezialisierte Beratungsstelle und bietet Beratung sowie therapeutische Hilfen bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.
Das Elterntelefon ist unter der Nummer 0173 2020588 erreichbar. Es dient der Beratung und Unterstützung von Familien. Etwaige Hinweise, die für die Ermittlungen relevant sein könnten, sind direkt an die Polizei zu richten (Hinweistelefon: 0331 5508-2848, täglich von 07:00 Uhr bis 20:00 Uhr erreichbar). Zudem können sich Eltern mit ihren Fragen, Sorgen und Nöten an das Jugendamt wenden.
Unabhängiger Experte berufen: Hans Leitner, langjähriger Leiter der Fachstelle Kinderschutz im Land Brandenburg
Wir haben großes Verständnis dafür, dass dieser Verdachtsfall viele Eltern verunsichert. Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand gibt es keine Hinweise auf weitere vergleichbare Verdachtsfälle. Untersuchungen von Kindern erfolgen bei uns in der Regel nicht allein, sondern im Beisein von Eltern und/oder Mitarbeitenden.
Unabhängig davon nehmen wir jede Sorge ernst: Mit dem Elterntelefon, der internen Aufarbeitung und der Überprüfung des Kinderschutzkonzepts schaffen wir zusätzliche Anlaufstellen und stärken den Kinderschutz weiter.
Viele Eltern fragen sich, ob auch ihr Kind betroffen sein könnte. Wie gehen die Havelland Kliniken mit dieser Sorge um?
Darüber hinaus hat die Klinikleitung Anfang Januar 2026 einen externen, unabhängigen Fachmann berufen, der über ausgewiesene Expertise und langjährige Erfahrung im Bereich des Kinderschutzes in öffentlichen Einrichtungen verfügt. Hans Leitner, ehemaliger Leiter der Fachstelle Kinderschutz im Land Brandenburg, ist nicht Teil der Organisationsstruktur der HKG und arbeitet weisungsunabhängig. „Wir freuen uns, dass uns Hans Leitner mit seiner langjährigen Erfahrung zur Seite steht“, betont Hauptgeschäftsführer Thilo Spychalski. Seine Aufgabe ist es, die bestehenden Schutzmechanismen der Havelland Kliniken aus fachlicher Perspektive kritisch zu überprüfen, die interne Aufarbeitung zu begleiten und die Klinikleitung bei der Weiterentwicklung sowie Fortführung der Umsetzung des Kinderschutzkonzepts zu unterstützen. „Dafür braucht es eine systematische Analyse des bestehenden Schutzkonzeptes, eine Bewertung der Umsetzung im Klinikalltag sowie die Identifikation möglicher Schwachstellen im Zusammenspiel zwischen dienstlichen Anweisungen, konzeptioneller Vorgabe und Alltagsrealität“, sagt Leitner. Ziel ist es, die Schutzmechanismen innerhalb der Organisation beteiligungsorientiert weiterzuentwickeln und damit praxistauglich zu stärken sowie nachhaltig wirksam zu verankern.
Die Havelland Kliniken setzen den eingeschlagenen Weg der sorgfältigen Aufarbeitung und der fortlaufenden Verbesserung konsequent fort. Zudem plant die Klinikleitung, Medien und Öffentlichkeit über den Fortgang der internen Aufarbeitung zu informieren. Eine Zwischeninformation ist innerhalb der nächsten vier Wochen vorgesehen.
Erreichbarkeit Elterntelefon
Telefonnummer: 0173 2020588
Das Elterntelefon ist zu folgenden Zeiten erreichbar:
- Montag, 09. Februar, von 9 Uhr bis 10 Uhr
- Mittwoch, 11. Februar, von 17 Uhr bis 18 Uhr
- Freitag, 13. Februar, von 16 Uhr bis 17 Uhr
Bei starker Auslastung des Elterntelefons erfolgen Rückrufe außerhalb der Sprechzeiten. Hinweise zu den Erreichbarkeiten sind jederzeit über einen Anrufbeantworter abrufbar.
Die Laufzeit des Elterntelefons wird bedarfsgerecht verlängert.
Ansprechpartner für Medien:
Pressestelle der Havelland Kliniken, presse@havelland-kliniken.de,
Tel. 03321/42 1003 oder -1010
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